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1918 - 1919

Weltkriegsende und Revolution

Das Ende des Kaiserreichs

Ende September 1918 kann die Oberste Heeresleitung, die im Krieg zum entscheidenden Machtfaktor geworden ist, die militärische Niederlage Deutschlands nicht länger geheimhalten. Sie, gibt angesichts der aussichtslosen militärischen Situation der Forderung eines von mehreren Parlamentsfraktionen gebildeten Ausschusses nach, die Regierung auf eine breitere parlamentarisch-demokratische Basis zu stellen. Dies ist für die Militärs eine willkommene Gelegenheit, sich der Verantwortung für die bevorstehende militärische Niederlage zu entziehen. Entgegen Warnungen aus den eigenen Reihen drängt Ebert entschlossen die Partei, trotz der katastrophalen Lage in die erste parlamentarische Regierung einzutreten. Die Regierung des Prinzen Max von Baden wird von den Parteien des Interfraktionellen Ausschusses getragen. Sie beschließt Verfassungsreformen, die für Ebert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Demokratie darstellen. Sie kommen aber zu spät: Eine Revolution ist nicht mehr aufzuhalten.

Ausgehend von den meuternden Soldaten in den Nord- und Ostseehäfen breitet sich eine Revolution aus; die Gründe dafür sind wachsende Unzufriedenheit mit dem politischen System und die sinnlose Fortdauer des Krieges. Arbeiter und Soldaten schließen sich in sogenannten Räten zusammen und reißen die Macht an sich.
Die Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (MSPD) erklärt sich unter gewissen Bedingungen mit einer parlamentarischen Monarchie, in der der Kanzler das Vertrauen des Reichstags benötigt, einverstanden, doch soll Wilhelm II. abdanken: „Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich aber will sie nicht, ja ich hasse sie wie die Sünde", zitiert Prinz Max von Baden in seinen Erinnerungen Friedrich Ebert. Dieser will ohne Blutvergießen die parlamentarische Reformierung des Reiches vollenden.

Titelblatt der SPD-Zeitung "Vorwärts" mit der Meldung über die Abdankung von Kaiser Wilhelm II.

Doch die Ereignisse überschlagen sich: Unter dem Druck der revolutionären Bewegung, die am 9. November 1918 auch Berlin erfasst, muss der Kaiser abdanken. Der noch amtierende Reichskanzler Prinz Max von Baden schlägt vor, dass Friedrich Ebert die Regierungsgeschäfte übernimmt. Ebert erklärt sich einverstanden – mit den Worten: „Es ist ein schweres Amt, aber ich werde es übernehmen." Ebert begreift sich als Treuhänder der Macht bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung. Sein Ziel ist zunächst die Bildung einer Regierung aus Vertretern der Parteien des Interfraktionellen Ausschusses und der USPD. Am Nachmittag des 9. November ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann vom Balkon des Reichstags die Republik aus - wenige Stunden bevor Karl Liebknecht, der Anführer der radikalen Sozialisten, die „Sozialistische Republik" ausruft.

Der Volksbeauftragte in der Revolution

„[...] die provisorische Regierung hat eine sehr üble Erbschaft angetreten. Wir waren im eigentlichsten Wortsinne die Konkursverwalter des alten Regimes: alle Scheunen, alle Läger waren leer, alle Vorräte gingen zur Neige, der Kredit war erschüttert, die Moral tief gesunken. Wir haben [...] unsere beste Kraft eingesetzt, die Gefahren und das Elend der Übergangszeit zu bekämpfen. Wir haben der Nationalversammlung nicht vorgegriffen. Aber wo Zeit und Not drängten, haben wir die dringlichsten Forderungen der Arbeiter zu erfüllen uns bemüht."

Mit diesen Worten umriss Friedrich Ebert am 6. Februar 1919 die vielschichtigen Problemlagen nach dem 9. November 1918, dem Tag, an dem ihm der letzte kaiserliche Reichskanzler Prinz Max von Baden die Führung der Regierungsgeschäfte übertragen hatte. Neben der Skizzierung der desolaten wirtschaftlichen und sozialen Lage sprach er auch davon, dass die Revolutionsregierung grundlegende Weichenstellungen – die Ebert als „dringlichste Forderungen der Arbeiter" bezeichnete – in Angriff genommen habe. Für ihn ergaben sich nach dem Zusammenbruch zwei Aufgaben: Es ging zum einen darum, den drohenden ökonomischen Kollaps abzuwenden, und zum anderen, einen geordneten Übergang bis zur geplanten Wahl einer Nationalversammlung zu gewährleisten, die so bald wie möglich zusammentreten und eine Regierung bilden sollte. Ein weiteres wichtiges Motiv politischen Handelns in der Revolutionszeit war die Notwendigkeit, gegenüber den Gewinnern des Krieges eine handlungsfähige deutsche Regierung zu haben. Auch der drohende Separatismus - die Gefahr, dass sich insbesondere Teile des Rheinlands von Deutschland abspalten würden - spielte eine Rolle.

Gruppenbild des Rates der Volksbeauftragten 1918
Der Rat der Volksbeauftragten, v.l.n.r. Emil Barth (USPD), Otto Landsberg (SPD), Friedrich Ebert, Hugo Haase (USPD), Wilhelm dittmann (USPD), Philipp Scheidemann (SPD)

In dieser Situation verständigten sich MSPD und USPD auf eine gemeinsame Plattform zur Bildung einer revolutionären Übergangsregierung: Von Seiten der SPD saßen Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg, von Seiten der USPD Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth im sogenannten „Rat der Volksbeauftragten". Am Abend des 10. November wurde die revolutionäre Übergangsregierung auf einer Berliner Versammlung von 3000 Arbeiter- und Soldatenräten im Zirkus Busch nach einem heftigen Rededuell zwischen Ebert und Liebknecht und nach teilweise tumultartigen Szenen bestätigt.

Die Versammlung im Zirkus Busch war ein glatter Sieg Eberts. Denn als aus den Reihen der Radikalen der Vorschlag gemacht wurde, dass ein ausschließlich aus radikalen Kräften zusammengesetzter Aktionsausschuss gebildet werden sollte, forderte er eine dem Rat der Volksbeauftragten entsprechende Besetzung aus SPD und USPD. Der schließlich paritätisch aus SPD- und USPD-Anhängern ins Leben gerufene vierzehnköpfige Arbeiterrat bildete mit dem ebenso starken Soldatenrat den „Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates Großberlin".

Der Spartakusaufstand

Aufgrund seines Verhaltens während der Weihnachtskämpfe wurde der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn (USPD) am 4. Januar 1919 entlassen. Daraufhin riefen USPD, Revolutionäre Obleute und KPD zu einer Protestdemonstration auf. Die Lage eskaliert: Am 5. Januar strömt in Berlin eine große Menschenmenge zusammen; sie besetzt das Zeitungsviertel, setzt einen Revolutionsausschuss ein und proklamiert die Absetzung der Regierung. Diese muss Truppen einsetzen, die den Aufstand blutig niederwerfen.
Zwei Tage nach den Kämpfen wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die beiden Führer der Aufstandsbewegung, von Angehörigen der Garde-Schützen-Kavallerie-Division ermordet. Das brutale Vorgehen der Regierungstruppen gegen die Putschisten stieß auf berechtigte Kritik. Aber „unbestreitbar war die Notwendigkeit, Militär einzusetzen, sollte die Gründung der demokratischen Republik eine Chance behalten" (Horst Möller).

Portrait von Karl Liebknecht
Karl Liebknecht
Portrait von Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg

Der Januaraufstand, seine Niederwerfung und die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vertieften die Kluft innerhalb der Arbeiterschaft. Auch nach der Niederschlagung des „Spartakusaufstandes" wurde das deutsche Reich weiter von Streiks und bürgerkriegsähnlichen Unruhen heimgesucht. Die unsichere Lage in Berlin veranlasste die Revolutionsregierung, die am 19. Januar 1919 gewählte Nationalversammlung an einem Ort außerhalb der Reichshauptstadt zusammenzurufen. Am 6. Februar 1919 um 15.15 Uhr eröffnete Friedrich Ebert in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten im Saal des Theaters zu Weimar das erste aus wirklich freien, geheimen und allgemeinen Wahlen hervorgegangene Reichsparlament in der deutschen Geschichte.

Die Weimarer Nationalversammlung

Am Tage der Wahlen zur Nationalversammlung (19. Januar 1919) schrieb Friedrich Ebert im „Vorwärts":

„Als ich, ein junger Sattlergeselle, in die deutsche Arbeiterbewegung eintrat, klang mir zuerst das Wort entgegen: 'Des Volkes Wille soll oberstes Gesetz sein'. Damit war ich einverstanden und daran habe ich festgehalten mein Leben lang."

Abgeordnete der Nationalversammlung von Weimar 1919 auf dem Theaterbalkon

Die SPD erreichte 37,9 % der Stimmen und bildete mit der liberalen DDP und dem katholischen Zentrum die sogenannte „Weimarer Koalition", die über drei Viertel der Sitze in der Nationalversammlung verfügte.

Blick in die Weimarer Nationalversammlung 1919
Die Weimarer Nationalversammlung

Für die deutschen Frauen war der 19. Januar 1919 ein wichtiger Tag: Sie durften erstmals an Wahlen teilnehmen.

Gruppenbild von Frauen bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919
Frauen bei den Wahlen zur Nationalversammlung
Gruppenbild der weiblichen Abgeordneten der Zentrumspartei bei der Nationalversammlung 1919
Die weiblichen Abgeordneten der Zentrumspartei
Gruppenbild der weiblichen Abgeordneten der MSPD bei der Nationalversammlung 1919
Die weiblichen Abgeordneten der MSPD
Gruppenbild der weiblichen Abgeordneten der DNVP bei der Nationalversammlung 1919
Die weiblichen Abgeordneten der DNVP
 

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